Kinder | Förster Optik in Weilheim - Informationen rund ums Gute Sehen

Wichtiger als angenommen: Sportbrillen für Kinder!

Gerade im Bereich Sportbrillen für Kinder sind oft Unsicherheiten im Spiel. Vielen Eltern und auch Lehrern ist die Dringlichkeit nicht bewusst und sie werden – beispielsweise beim Kinder- oder Augenarzt – nicht ausreichend aufgeklärt. Die Redaktion der Augenoptiker Umschau hat Sportbrillenspezialist Matthias Köste, Geschäftsführer des Unternehmens pricon GmbH & Co. KG, in einem Interview gebeten, wichtige Details zu nennen und genau zu erklären, warum eine Sportbrille für Kinder so wichtig ist.

Augenoptiker Umschau:
Herr Köste, was macht eine schulsporttaugliche Brille aus?

Matthias Köste:
Oberste Priorität haben auf jeden Fall die Stabilität und die Bruchsicherheit. Sportbrillen für Kinder dürfen zudem unter keinen Umständen scharfe Kanten aufweisen. Dazu muss gewährleistet sein, dass die Fassung fest am Kopf sitzt. Hierfür sorgen entsprechende Bügelformen, Brillenhalter bzw. Haltebänder, die für das Tragen der Brille im Alltag abnehmbar sein sollten. Die Fassung muss dabei so groß sein und so hoch sitzen, dass sie sich beim Aufprall von vorne an den knöchernen Rändern der Augenhöhle abstützt. Wichtig ist außerdem, dass die Brille ein möglichst großes Blick- und Gesichtsfeld bietet. Nicht zuletzt muss die Fassung so gestaltet sein, dass beispielsweise bei einem Ballkontakt die Gläser vom Auge weg herausfallen.

Augenoptiker Umschau:
Warum ist gerade beim Sport eine geeignete Brille für Kinder so wichtig?

Matthias Köste:
Bewegung ist grundlegend für die Entwicklung von Motorik, Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Koordination. Doch nur ein Kind, das sieht, wo es hinläuft oder wo der Ball herkommt, kann nachhaltig Freude an sportlicher Betätigung entwickeln.

Augenoptiker Umschau:
Warum sollten Kinder beim Sport nicht ihre Alltagsbrille verwenden, sondern eine Sportbrille?

Matthias Köste:
Metallbrillenfassungen und die überwiegende Anzahl der Kunststoffbrillenfassungen stellen ein zusätzliches Risiko in Unfallsituationen für Augen- und Gesichtsverletzungen dar. Deshalb sind Sportlehrer täglich im Zugzwang, zu entscheiden, ob ein Schüler durch das Tragen seiner Brille eventuell selbst gefährdet wird oder auch, ob die Alltagsbrille im Schulsport kaputt gehen könnte. Es gibt jedoch inzwischen Brillenfassungen, die durchaus als Alltagsbrille eine gute Figur machen UND den Anforderungen des Schulsportes gerecht werden.

Augenoptiker Umschau:
Was kostet eine solche Brille?

Matthias Köste:
Für eine schulsporttaugliche Kinderbrillenfassung müssen die Eltern zwischen 49 und 69 Euro einplanen. Dazu kommen dann die Kosten für die Brillengläser.

Augenoptiker Umschau:
Gibt es einen Zuschuss von der Gesetzlichen Krankenkasse bei der Anschaffung einer Schulsportbrille?

Matthias Köste:
Leider gibt es derzeit nur in Einzelfällen einen kleinen Zuschuss für Brillengläser. Doch wenn man sich vor Augen führt, dass erschreckenderweise 25 Prozent der Schüler fehlsichtig – ohne eine angemessene Korrektion durch eine Brille oder Kontaktlinsen – am Schulsport teilnehmen, kann man nur hoffen, dass sich dies im Interesse der Kinder recht bald ändert. Denn auch die gesetzlichen Krankenkassen könnten von diesen Investitionen profitieren. Laut Informationen der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung könnten rund 90 Prozent der aus Unfällen im Schulsport resultierenden Augenverletzungen durch das Tragen einer schulsporttauglichen Brille vermieden werden.

Augenoptiker Umschau:
Für welche Sportarten ist eine solche Brillenfassung ratsam, für welche nicht?

Matthias Köste:
Grundsätzlich sollten Fehlsichtige auch beim Sport, egal, um welche Sportart es sich handelt, auf gutes Sehen nicht verzichten. Die durch die Arbeitsgemeinschaft »Sicherheit im Sport« vorgenommene Eingruppierung von Fassungen für den Sport bzw. Schulsport in »ASiS-getestet schulsporttauglich« bzw. »ASiS-getestet schulsporttauglich plus Augenschutz« bietet Kindern, deren Eltern, Augenoptikern und Lehrern erstmals eine Hilfe bei der Brillenauswahl.

Augenoptiker Umschau:
Sind spezielle Brillengläser ratsam?

Matthias Köste:
Korrektionsgläser müssen absolut bruchsicher sein. Deshalb eignen sich Gläser aus Polycarbonat oder noch besser aus Trivex® besonders gut für Sportbrillen.

Augenoptiker Umschau:
Muss eine gesonderte Augenglasbestimmung gemacht werden?

Matthias Köste:
Bei Fassungen mit einer höheren Basiskurve muss der Augenoptiker die in der Refraktion ermittelten Zentrierdaten entsprechend anpassen. Eine gesonderte Augenglasbestimmung für den Sport ist jedoch in der Regel nicht nötig.

Augenoptiker Umschau:
Herr Köste, vielen Dank für das Gespräch.

Gutes Sehen für die Zukunft

Ein klarer Blick in sein Umfeld ist wichtig für das Kind, denn den größten Teil seiner Sinneseindrücke nimmt es über die Augen wahr. Gutes Sehen hilft ihm deshalb, sich die Welt besser zu erschliessen – beim Spielen, beim Lernen oder im Straßenverkehr.

Wird eine Sehschwäche nicht rechtzeitig erkannt, kann das besonders für die schulische Entwicklung Konsequenzen haben: das Kind ermüdet schneller, und auch Schreib- und Leseschwächen werden verstärkt. Deshalb raten Experten, spätestens bis zum dritten Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung durchführen zu lassen. Wird eine Fehlsichtigkeit erst nach dem sechsten Lebensjahr festgestellt, kann sich das Sehzentrum nicht mehr normal entwickeln und die Sehschwäche nur noch schwer zurückbilden.

Wird eine Sehschwäche diagnostiziert (z.B. fehlender Farbsinn, Störungen im beidäugigen Sehen oder starke Weitsichtigkeit), sollte sie regelmäßig kontrolliert werden, weil sich das Sehvermögen bei Kindern rasch ändern kann.

Erschreckend ist, dass immer noch etwa 20% der deutschen Kinder im Kindergartenalter an unentdeckten Sehschwächen leiden. Bei Vorsorgeuntersuchungen durch den Kinderarzt fallen sie oft nicht auf, weil die Tests nicht ausreichend sind. Ohne die Eigeninitiative der Eltern bleiben diese Sehschwächen oft bis zum Führerschein-Sehtest unentdeckt.

Dabei muss die Brille das betroffene Kind nicht zwangsläufig ein Leben lang begleiten – im Gegenteil. Eine Brille ist ein Trainingsgerät. Bis zum Alter von 7 Jahren „lernen“ die Augen das richtige Sehen. Nur mit Hilfe einer Brille können sehschwache Kinder den Umgang mit optischen Reizen richtig lernen.

Über Spott und Hänseleien in der Schule brauchen sich Eltern heute auch keine Sorgen mehr zu machen. Brillenträger jeden Alters sind heute der Normalfall – und spätestens seit Harry Potter sogar „voll im Trend“.

Fehlsichtigkeiten bei Kindern

Kinder lernen unglaublich viel. Etwa 80% davon nehmen sie mit den Augen auf. Umso wichtiger ist es, Sehschwächen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln – vor allem, weil das Kind keine Vergleichsmöglichkeiten hat und deshalb gar nicht weiß, dass es schlecht sieht. Nachfolgend ein Blick auf die häufigsten Fehlsichtigkeiten.

Schielen – Strabismus
Eine Fehlstellung der Augen ruft unterschiedliche Seh-Eindrücke hervor, die vom Gehirn nicht mehr zusammengeführt werden können – es entstehen Doppelbilder. Bis zum Alter von zwei Monaten ist gelegentliches, leichtes Schielen kein Grund zur Sorge. Die Augenmuskeln des Säuglings müssen sich noch koordinieren. Wenn ab dem dritten Lebensmonat die Blickrichtungen der Augen immer noch voneinander abweichen, sollte man den Augenarzt aufsuchen.

Sehschwäche eines sonst gesunden Auges – Amblyopie
Wenn starkes Schielen nicht behandelt wird, kann eine einseitige Amblyopie die Folge sein. Das Gehirn bevorzugt ein Auge; das andere wird dauerhaft geschwächt, räumliches Sehen wird unmöglich. Vor dem zehnten bis zwölften Lebensmonat ist diese Fehlentwicklung einfach zu korrigieren, später wird die Behandlung schwieriger und langwieriger.

Weitsichtigkeit – Hyperopie
Das Kind sieht recht gut in der Ferne, muss sich aber anstrengen, im Nahbereich gut zu sehen. Die Symptome: Kopfschmerzen, gerötete Augen, Konzentrationsschwäche, Unruhe und schnelles Ermüden beim Lesen und Schreiben. Plusgläser, die den Brennpunkt wieder nach vorn auf die Netzhaut verlagern, schaffen Abhilfe.

Kurzsichtigkeit – Myopie
Das Kind ist lieber im Nahbereich aktiv, denn in der Ferne sieht es schlecht. Die Schultafel oder das Fernsehbild werden nur schlecht erkannt. Zusammenkneifen der Augen oder Blinzeln können ein Zeichen dafür sein. Kurzsichtigkeit tritt oft auf, wenn Kinder lesen lernen und die Augen vor allem im Nahbereich gefordert werden. Hier helfen Minusgläser, die den Brennpunkt zurück auf die Netzhaut bringen.

Stabsichtigkeit – Astigmatismus
Unabhängig von der Entfernung kann das Kind horizontale, vertikale oder schräge Linien nicht scharf sehen, das Bild ist verschwommen. Eine Brille mit speziell geschliffenen zylindrischen Gläsern korrigiert den Einfall der Lichtstrahlen so, dass sie sich exakt bündeln: ein Punkt wird wieder als Punkt gesehen und nicht als Stab.